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August Bier

Dr. August Bier – Der Arzt

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August Bier begann seine medizinische Laufbahn 1888 als Chirurg in Kiel, hier wurde er promoviert und habilitiert und wurde auch hier zum Professor ernannt. Es folgten Berufungen nach Greifswald (1899), Bonn (1903)und Berlin (1907- 1932). Neben mehreren neuen Operations- und Heilverfahren wurde August Bier durch die Erfindung der Spinalanästhesie (Rückenmarksbetäubung) im Selbstversuch bekannt

August Bier startete als Landarzt in Gettorf (Holstein), wendete sich aber bald der Chirurgie zu und war Assistent und Oberarzt an der Chirurgischen Universitätsklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Friedrich von Esmarck. Bereits hier in Kiel wurden die Grundlagen für seine wesentlichen medizinischen Beiträge gelegt: Hyperämie als Heilmittel. 1889 unternahm er im Selbstversuch zusammen mit einem Mitarbeiter den entscheidenden Schritt zur Lumbalanästhesie, einer heute wieder häufig praktizierten Anästhesiemethode.

In Kiel habilitierte August Bier 1889 und wurde 1894 Extraordinarius. Als Stellvertreter seines alternden Chefs von Esmarck übernahm er von Zeit zu Zeit Funktionen der Klinikleitung, 1894 erfolgte seine Berufung nach Griefswald, von wo er bereits einige Jahre später auf den chirurgischen Lehrstuhl nach Bonn wechselte. Ehrenvolle Rufe nach Heidelberg und Wien lehnte er ab. 1907 verstarb überraschend der Ordinarius für Chirurgie Ernst von Bergmann in Berlin. August Bier erhielt trotz intensiver Widerstände in Berlin den Ruf auf diesen damals wohl bedeutendsten Lehrstuhl in Deutschland. In Berlin folgten weitere Veröffentlichungen, unter Anderem zu den Themen Hyperämie, Behandlungsformen der Gelenktuberkulose, Verbesserungen der Problematik durch Amputationen, sowie zu verschiedenen Operationsmethoden der Bauchchirurgie. Seine chirurgischen Neuerungen fanden Eingang in die ,,Chirurgischen Operationslehre", die er zusammen mit Braun und Kümmell 1914 veröffentlichte. Beeindruckt von den verheerenden Schädelverletzungen im 1. Weltkrieg, entwickelte August Bier zusammen mit dem Ingenieur Prof. Schwerd die deutsche Form des Stahlhelms. Mit seiner ganzheitlichen Sicht auch bei chirurgischen Leiden, stand Bier oft im Widerspruch zu seinen operierenden Kollegen. Ein Sturm der Entrüstung entfachte sich aber, als er dazu aufrief, sich mit der Homöopathie zu beschäftigen.

August Bier – Der Forstmann

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August Bier erkannte, dass er in der Medizin Kernprinzipien der Heraklitischen Lehre -  Gegensätze fügen sich zur Harmonie - nicht erreichen und damit auch nicht auf Richtigkeit überprüfen konnte. Im komplexen biologischen System Wald aber konnte er aktiv eingreifen und war nicht durch ethische Regeln eingeschränkt. Hier konnte er mit in Pflanzmaßnahmen und der nachfolgenden Pflege mit Axt und Säge walten, wie er wollte. Zum Erfolg seines forstlichen Handelns trug sicherlich bei, dass er bereits als Kind einen engen Bezug zum Wald und der Natur entwickeln konnte und über biologische und forstliche Grundkenntnisse verfügte.

 

So erwarb August Bier 1912 als national und international berühmter Chirurg das zwischen Beeskow und Fürstenwalde gelegene  Waldgut Sauen. Diesen Besitz konnte er in den folgenden Jahren durch Zukauf auf eine Fläche von ca. 1.000 ha vergrößern. August Bier erfüllte sich hier einen lang gehegten Wunsch und gestaltete den Wald nach seinen philosophischen Vorstellungen und Erfahrungen um. Forstwissenschaftlich unbelastet, wollte er am Beispiel des Waldes die philosophischen Gedanken Heraklit von Ephesos (*zwischen 540 und 535 v. Chr.; † zwischen 483 und 475 v. Chr.) überprüfen. Die Verwirklichung des heraklitischen Leitsatzes, wonach alles fließe und sich Gegensätze zu einer Harmonie fügten, sah er in einem ''Mischwald, in dem das Nadelholz neben dem Laubholz, der Flachwurzler neben dem Tiefwurzler, der Humuserzeuger neben dem Humusverbraucher steht''.

So baute er den devastierten und übernutzten Kiefernwald in Sauen in einen artenreichen Mischwald um. Das Ziel war dabei, die zum Teil kümmernden und armen Kiefernbestände in ihrer Gesamtheit zu verbessern. Dieses Experiment erregte bereits in den 30er Jahren die Aufmerksamkeit der deutschen Forstwirtschaft, welche zu diesem Zeitpunkt noch Kiefern-Reinbestände in fest strukturierten Altersklassen favorisierte.

Das Ergebnis des Waldumbaus vor Ort zu erleben, ist noch heute eine Freude für alle Naturliebhaber wie auch Forstleute. Der Sauener Wald wurde so zu einem der Leitbilder der modernen Brandenburger Forstwirtschaft.

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August Bier – Der Philosoph

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August Bier betrachtete Gesundheit als das Gleichgewicht zwischen entgegengesetzten Aktionen und Reizen. Krankheit bedeutet demnach ein Ungleichgewicht im Körper und kann nur durch eine Ganzheitsbehandlung des Patienten kuriert werden. So war einer seiner Leitsätze: ,,Mens sana in corpore sano" (aus einer Satire des römischen Dichters Juvenal; dt.: ein gesunder Geist in einem gesunden Körper) für ihn eine Selbstverständlichkeit. In diesem Sinne setzte er sich mit Leidenschaft für Heilgymnastik und Sport ein. Im Jahr 1920 wurde August Bier Mitbegründer und erster Leiter der Sporthochschule in Berlin. Seine ganzheitliche Betrachtung der Medizin konnte auch die Beschäftigung mit der Homöopathie nicht ausschließen. Das konnten ihm aber besonders die chirurgischen Berufskollegen nicht verzeihen.

Mit zunehmender Erfahrung erfolgte die Beschäftigung mit den unterschiedlichsten Facetten der Medizin immer aber aus einer ganzheitlichen Sicht, in die gerade in dieser Zeit die vielen neuen  naturwissenschaftliche Erkenntnisse eingebettet werden mussten. Seine Synopsis und fachübergreifende Sicht der Medizin stand zudem der zunehmenden Spezialisierung der Medizin  und auch der Chirurgie in einzelne Fachbereiche diametral gegenüber.

August Bier fasste seine auf die antike Naturphilosophie zurückgehenden Gedanken schriftlich in seinem Buch ,,Die Seele'' (1939) zusammen. Dieses Werk ist bis heute in zahlreichen Auflagen erschienen und hat auch außerhalb von medizinischen und forstlichen Fachkreisen viele Leser gefunden.

Posthum, editiert von seinem Schüler Vogler, erschien 1949 sein Buch „Das Leben“. Dem sollte als drittes Werk „Der Wald“ folgen, das aber nur in Fragmenten überkommen ist. Diese Gedanken wurden in dem Buch „Der Sauener Wald“ (1986) von Herbert Krauss aufgegriffen und ergänzt.

Seine biologischen und forstlichen Experimente basierten auf einem früh geschärften Blick für biologische Prozesse, eingebettet in eine ganzheitlichen Betrachtungsweise.

Die Grabstätte August Bier

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Ein umfriedetes Areal im Sauener Wald markiert die Grabstätte von Anna und August Bier. Ein großer Findlingsblock zeichnet die Lebensdaten auf.

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