August Bier - Der Forstmann

August Bier erkannte, dass er in der Medizin die Prinzpien der Heraklitischen Lehre, die die gesunde Mischung von Gegensätzen behandelt, nicht erreichen und auf Richtigkeit überprüfen konnte. Im komplexen biologischen System Wald aber war dies mit Hilfe von Pflanzmaßnahmen und der nachfolgenden Pflege gut möglich. Hinzu kam, dass er bereits als Kind einen engen Bezug zum Wald ausbilden konnte und über biologische und forstliche Grundkenntnisse verfügte.

August Bier vor der Seitz'schen Kiefer (Klicken zum Vergrößern)So erwarb August Bier 1912, als national und international berühmter Chirurg das zwischen Beeskow und Fürstenwalde gelegene Waldgut "Sauen". Der Besitz wurde durch Zukauf auf eine Fläche von ca. 1.000 ha vergrößert. August Bier erfüllte sich hier einen lang gehegten Wunsch, und gestaltete den Wald nach seinen philosophischen Vorstellungen und Erfahrungeng um.

Forstwissenschaftlich unbelastet, wollte er am Beispiel des Waldes die philosophischen Gedanken von Heraklit von Ephesos (* zwischen 540 und 535 v. Chr.; † zwischen 483 und 475 v. Chr.) überprüfen. Die Verwirklichung des heraklitischen Leitsatzes, wonach alles fließe und sich Gegensätze zu einer Harmonie fügten, sah er in einem
 
"Mischwald, in dem das Nadelholz neben dem Laubholz, der Flachwurzler neben dem Tiefwurzler, der Humuserzeuger neben dem Humusverbraucher steht".
 
 
August Bier im Kreise von Dendrologen (Klicken zum Vergrößern)So baute er den devastierten und übernutzten Kiefernwald in Sauen in einen artenreichen Mischwald um. Das Ziel war dabei, die zum Teil kümmernden und armen Kiefernbestände in ihrer Gesamtheit zu verbessern, sodass der Wald über seine rein wirtschaftliche Funktion hinaus, ökologischen und sozialen Aufgaben dienen kann. Dieses Experiment erregte bereits in den 30er Jahren die Aufmerksamkeit der deutschen Forstwirtschaft, welche zu diesem Zeitpunkt noch Kiefern-Reinkulturen in fest strukturierten Altersklassen favorisierte.
 
 
Das Ergebnis des Waldumbaus vor Ort zu erleben, ist noch heute eine Freude für alle Naturliebhaber wie auch Forstleute. Der Sauener Wald wurde so zu einem der Leitbilder der modernen Brandenburger Forstwirtschaft.
 
August Bier fasste seine auf die antike Naturphilosophie zurückgehenden Gedankenschriftlich zusammen und 1939 wurde "Die Seele" veröffentlicht. Diese Werk ist bis heute in zahlreichen Auflagen erschienen und hat auch außerhalb von Fachkreisen viele Leser gefunden.