Dr. August Bier - Der Arzt

arzt op1 180August Bier startete als Landarzt in Gettorf (Holstein), wendete sich aber bald der Chirurgie zu und war Assistent und Oberarzt an der Chirurgischen Universitätsklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Friedrich von Esmarck.

Bereits hier in Kiel wurden die Grundlagen für seine wesentlichen medizinische Beiträge gelegt: Hyperämie als Heilmittel. 1889 unternahm er im Selbstversuch zusammen mit einem Mitarbeiter den entscheidenden Schritt zur Lumbalanästhesie, einer heute wieder häufig praktizierten Anästhesiemethode. In Kiel habilitierte August Bier 1889 und wurde 1894 Extraordinarius

August Bier im Kreise seiner Mitarbeiter (Klicken zum Vergrößern)Als Stellvertreter seines alternden Chefs von Esmarch übernahm er von Zeit zu ZeitFunktionen der Klinikleitung, 1894 erfolgte seine Berufung nach Greifswald, von wo er bereits einige Jahre später auf den chirurgischen Lehrstuhl nach Bonn wechselte. Ehrenvolle Rufe nach Heidelberg und Wien lehnte er ab. 1907 verstarb überraschend der Ordinarius für Chirurgie Ernst von Bergmann in Berlin. August Bier erhielt trotz intensiver Widerstände in Berlin den Ruf auf diesen damals wohl bedeutensten Lehrstuhl in Deutschland. In Berlin folgten weitere Veröffentlichungen, unter Anderem zu den Themen Hyperämie, Behandlungsformen der Gelenktuberkulose, Verbesserung der Problematik nach Amputationen, sowie zu verschiedenen Operationsmethoden der Bauchchirurgie. Seine chirurgischen Neuerungen fanden Eingang in die „Chirurgischen Operationslehre“, die er zusammen mit Braun und Kümmell 1914 veröffentlichte. Beeindruckt von den verheerenden Schädelverletzungen im 1. Weltkrieg entwickelte August Bier zusammen mit dem Ingenieure Prof. Schwerd die deutsche Form des Stahlhelms. Mit seiner ganzheitlichen Sicht auch bei chirurgischen Leiden, stand Bier oft im Widerspruch zu seinen operierenden Kollegen. Ein Sturm der Entrüstung entfachte sich aber, als er dazu aufrief, sich mit der Homöopathie zu beschäftigen.