Professor Dr. August Bier

ab-forsthutAugust Bier, Sohn eines Landvermessers in Helsen, studierte von 1881 bis 1886 in Berlin, Leipzig und Kiel, wo er sich, von dem großen Chirurgen Friedrich von Esmarch (1823-1908) beeinflußt, diesem Fach zuwandte. Am Anfang seiner medizinischen Karriere praktizierte Bier als Landarzt. Bei einer Reise nach Mittel- und Südamerika wirkte er als Schiffsarzt, trat danach 1888 als Assistent in die Chirurgische Universitätsklinik Kiel ein. Bereits mit 28 Jahren habilitierte er sich dort und wurde 1894 Professor. 
1899 erhielt er einen ersten Ruf nach Greifswald. Von dort ging er 1903 nach Bonn und folgte dann 1907 einem Ruf als Nachfolger von Ernst von Bergmann (1836-1907), an die Chirurgischen Universitätsklinik der Berliner Charité, wo er bis zu seiner Emeritierung 1932 erfolgreich wirkte.

 Seit dem Kauf des land- und forstwirtschaftlichen Gutes in Sauen aber insbesondere nach seiner Emeritierung beschäftigte sich August Bier intensiv mit der Forstwissenschaft.
 
1945 erhielt Bier seine Flächen in Sauen durch die russische Besatzungsbehörde zurück.
 
Grab August Biers im WaldIm hohen Alter von über 80 Jahren erlitt er einen Schenkelhalsbruch und erblindete weitgehend. Er verstarb am 12.03.1949 im Alter von 88 Jahren in Sauen. In seinem "geliebten Sauener Wald" wurde er zusammen mit seiner Frau beigesetzt.
August Bier wird als "äußerlich zwar oftmals rauer, schroffer und zu Sarkasmen neigender, innerlich aber gütiger und außerordentlich gewissenhafter Mann" beschrieben. Seine Aussprüche über die eigene Profession zeigen seine selbstkritische Einstellungen: "Jede Sache läßt sich von zwei Seiten betrachten, von einer wissenschaftlichen und einer vernünftigen", sagte er einmal. Oder auf sein Fach bezogen: "Wenn man in der Chirurgie etwas nicht kann, andere aber können es, so sagt man, es ist unchirurgisch.", oder aber „Die Chirurgie ist das Eingeständnis für das Versagen der Medizin“. Aber auch auf seine in Fachkreisen nicht allzu geschätzte Beschäftigung mit der Hyperämie gemünzt, urteilte er scharfzüngig: "Man hat mir übelgenommen, daß ich mich auch mit anderen Dingen als der Chirurgie beschäftigt habe. Man glaubt anscheinend, daß der Mensch durch die Beschäftigung mit der Chirurgie so verdummt, daß er zu nichts anderem mehr zu gebrauchen ist."
 
Anlässlich seines 150sten Geburtstages gab es in seiner Heimatstadt Korbach eine Festveranstaltung. Hier können Sie den Vortrag seines Enkels und Stiftungsvorsitzenden der Stiftung August Bier für Ökologie und Medizin Prof. Dr. C. A. Baldmus als pdf herunterladen.

Lebenslauf

1861 in Helsen (Arolsen) geboren
1881–1886 Studium der Medizin in Leipzig, Berlin und Kiel
1886

Reise nach Süd- und Mittelamerika als Schiffsarzt
Praxisvertretung

1888–1899 Chirurgische Aus- und Weiterbildung in Kiel
1889 Habilitation
1894 Professur für Chirurgie
1898 Entdeckung der Lumbalanästhesie im Selbstversuch
1899 Berufung nach Greifswald
1903 Berufung nach Bonn
1905 Heirat mit Anna Esau, 5 Kinder
1907 Berufung zum Leiter der Berliner Universitätsklini
(heute Charité) in der Ziegelstraße
1912

Kauf des Landgutes Sauen und Beginn des forstliche
Modellprojektes „Sauener Wald"

1920 Gründungsrektor der 1. Sporthochschule, Berlin
1932 Ende seiner medizinischen Laufbahn
1931 Umzug nach Sauen und intensiviertes Arbeiten in der
Forstwirtschaft und Philosophie
1939 Erscheinen seiner Bücher „Die Seele“ dann „Das Leben“.
Das geplante Buch „Der Wald“ ist nur in Fragmenten erhalten
1947 Tod seiner Ehefrau Anna Bier
1949  Tod in Sauen